Mittwoch, 22. April 2015

Formen(l)n des Nichtdenkens (Fortsetzung): Primzahlen und Mücken




Der Physiker und Nobelpreisträger Eugene Wigner schrieb 1960 einen vielzitierten Ausatz über die „unverständliche Effektivität der Mathematik in den Naturwissenschaften“. Er beschäftigte sich darin mit der Frage, wie es überhaupt dazu komme, dass sich mathematische Gesetzmässigkeiten auf die Natur anwenden liessen, wo es sich bei Zahlen und Naturphänomenen doch um zwei völlig verschiedene Reiche und Lehrämter handle: das Abstrakte und Ewige, sowie das Konkrete und Vergängliche. Die Frage hat die Naturwissenschafter immer wieder beschäftigt, und sie beschäftigt sie weiterhin. Man muss allerdings auch gleich anfügen, dass man beim Transfer von mathematischen Denkweisen in die Empirie vorsichtig sein sollte. Der Fehlschluss droht auch hier. Hier ein Beispiel. Der erste Beweis der Existenz unendlich vieler Primzahlen stammt von Euklid. Im Wesentlichen verläuft er so: Wie viele Primzahlen ich auch habe, es gibt stets noch eine weitere, also unendlich viele. Eine Leserbriefschreiberin aus Bayern schrieb dazu Folgendes: "Ich sitze hier am Ammersee inmitten einer Heerschar von Mücken. So viele ich auch erschlage, es gibt immer noch eine weitere, kann ich daher schließen ...?" Quod non est demonstrandum.

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